DBI-GRUPPE
DBI Gas- und Umwelttechnik

Jubiläumsveranstaltung des DBI-Fachforums ENERGIESPEICHER - Großer Zuspruch zur 10. Auflage in Berlin

Das DBI-Fachforum ENERGIESPEICHER gehört zu einem festen Termin bei den Experten der Branche. Die DBI - Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg feierte am 24.-25. September 2019 mit einer ausgebuchten Veranstaltung das zehnjährige Jubiläum. Für das stetige Interesse und die entgegengebrachte Wertschätzung bedanken wir uns bei unseren Teilnehmer*innen.


Klimatische Herausforderungen

Eva Hennig (Thüga) versorgte die Teilnehmer mit den neusten Informationen aus Brüssel
Eva Hennig (Thüga) versorgte die Teilnehmer mit den neusten Informationen aus Brüssel

Prof. Thomas Bruckner (Universität Leipzig) eröffnete mit seinem Vortrag „Klimaschutzziel 1,5°C versus 2°C – neue Herausforderungen auf globaler Ebene“ die Veranstaltung und ermutigt in seiner Kernaussage, dass mit Hilfe einer Reduktion der Endenergienachfrage und dem Ausbau emissionsarmer Energieversorgungstechnologien die Zukunft CO2-ärmer gestaltet werden kann. Lukas Rohleder (Energy Saxony e.V.) ergänzte die Thematik durch die Vorstellung des Förderprojektes „Reallabor Clean Energy City – Wasserstoffnutzung in Chemnitz“, in welchem ein Konzept für ein lokales Energiesystem mit maximaler In­tegration der Erneuerbaren Energien entwickelt wurde. Dabei bilden vor allem innovative Energietechnologien und -systeme sowie flexible Nutzer am Energienetz den Schwerpunkt. Neuste Informationen aus der Europä­ischen Kommission in Brüssel übermittelte Eva Hennig (Thüga) den Teilnehmern. Bis 2030 soll laut Green Deal das Emissionsminderungsziel auf mindestens 50% bis 55% angehoben werden. „Insgesamt stehe die Kommission hinter dem Energieträger Gas, wenn eine Dekarbonisierung erreicht und die Methanemissionen reduziert werden.“ berichtete Frau Hennig.

Entwicklung und Wahrnehmung von Wasserstoff

Nach Meinung von Alexander Ramm (innogy SE) bietet Wasserstoff einzigartige Lösungsmöglichkeiten für die Netz- und Speicherinfrastruktur. Entscheidend jedoch ist, dass die Infrastruktur an die künftigen Anforderun­gen, wie beispielsweise reduzierte Emissionen während der Verbrennung, flexible Umwandlungen sowie der Möglichkeit, große Mengen Wasserstoff zu transportieren und zu speichern, angepasst wird. Über den „Ein­fluss von Wasserstoff auf die europäische Gasinfrastruktur“ berichtete anschließend Dr. Jan Michalski (Ludwig-Bölkow Systemtechnik). Minimale Systemkosten bilden den Kompromiss zwischen erneuerbarer Energieversorgung, Systemflexibilität und der Gasversorgung, welche er in der Gegenüberstellung von den Szenarien „Starker Stromverbrauch“, „Starker Grüner Methan-Endverbrauch“ sowie „Starke Wasserstoff-End­verwendung“ präsentierte. Im weiteren Veranstaltungsverlauf ermöglichte Gert Müller-Syring (DBI) den Teil­nehmern einen Einblick in das Kompendium „Wasserstoff in Gasverteilnetzen“. Ziel des Projektes ist eine möglichst kostengünstige Transformation der bestehenden Gasinfrastrukturen durch Informationen zur H2-Toleranz von Produkten zu unterstützen. Werner Diwald (DWV) betonte in seinem Vortrag „Grüner Wasserstoff-Importe: Lösung für die deutsche Versorgungslücke?“ noch einmal, dass nur mithilfe von Wasserstoff aus erneuerbaren Quellen die Energiewende effizient umzusetzen sein wird. Eine stabile und langfristige Entwicklung könne zudem nur erfolgen, wenn Deutschland zeitnah die Aktivitäten in Bezug auf die Wasserstoffnutzung und der Ansiedlung des dafür erforderlichen Anlagenbaus industriepolitisch gestaltet. Abschließend reiste Dr. Matthias Meier (Naturmuseum St. Gallen) gedanklich mit den Teilnehmern in den Weltraum und bewertete die Optionen der Nutzung von Energiequellen aus diesem.

Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.n.r. Gert Müller-Syring, Prof. Thomas Bruckner, Eva Hennig. Dr. Jan Michalski, Werner Diwald, Lukas Rohleder, Mirko Titze)
Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (v.l.n.r. Gert Müller-Syring, Prof. Thomas Bruckner, Eva Hennig. Dr. Jan Michalski, Werner Diwald, Lukas Rohleder, Mirko Titze)

Den Höhepunkt der Jubiläumsveranstaltung bildete auch in diesem Jahr die fest integrierte PODIUMS­DISKUSSION mit dem Motto „Strukturwandel mit Power-to-Gas“. Auf die Frage: “Was wünschen sie sich für die Zukunft?“ antworteten die Diskussions-teilnehmer: „…die Gültigkeit der Nettostrompreise, eine Elektrolyseproduktion inklusive eines Technologie-zentrums in strukturschwachen Gebieten, die Koordination der Infrastrukturen und ver­bindliche Ziele, die Kooperation der Netzbetreiber Strom und Gas sowie eine ganzheitliche Wasserstoffstrategie.“

Praktische Anwendung

Nach dem Ausklingen des ersten Veranstaltungstages mit einem gemütlichen gemeinsamen Get-together wid­mete sich der zweite Tag den praktischen Anwendungen. Zu Beginn stellte Martin Glas (MITNETZ GAS) den Teilnehmern das H2-Netz, eines der HYPOS-Projekte in dem die Eignung von Gasinfrastrukturen für 100% H2 gezeigt wird, vor. Eine erste Erkenntnis aus dem Projekt ist, dass sich die Errichtung und der Betrieb einer neuen Gasinfrastruktur sehr stark an der Vorgehensweise und Regularien für Erdgas orientieren kann und somit ebenfalls zu einer kostengünstigen Transformation der Infrastrukturen beiträgt. Weiterhin zeigt das Projekt, dass die Verteilung und die Versorgung von Endverbrauchern mit reinem Wasserstoff in Kunststoff-Rohrleitungen technisch möglich ist.

Martin Glas (MITNETZ GAS) bei seinem Vortrag zum Projekt „HYPOS H2-NETZ“
Martin Glas (MITNETZ GAS) bei seinem Vortrag zum Projekt „HYPOS H2-NETZ“

Angela Brandes (Avacon Netz GmbH) erzeugte mit Ihrem Vor­trag „Wasserstoff im Verteilnetz“ reges Interesse. Am Beispiel des in Schopsdorf (Sachsen-Anhalt) geplanten Vorhabens, erläuterte sie die Herausforderungen einer Zumischung von 20 Vol.-% Wasserstoff in Erdgas. Hierbei wurde auch die Bedeutung der Bürgerbeteiligung als essenzielle Grundlage für den Projekterfolg herausgearbeitet.

Den „Stand der häuslichen und industriellen Anwendungstechnik für die Nutzung von Erdgas mit Wasserstoffanteilen“ veranschaulichte Philipp Pietsch (DBI). Um Industrie, Handel und Gewerbe „H2ready“ zu machen, bedarf es ebenfalls einer Transformation und entsprechender finanzieller Mittel. Dabei wies er auf die notwendige Umrüstung von Bestandsgeräten, die aktuell niedrigen Wasserstofftoleran­zen in der Industrie und die Herausforderungen bei den NOx-Emissionen hin. Erste Ergebnisse des Projektes Underground Sun Conversion stellte Stephan Bauer (RAG Austria) vor. Ziel ist die Nutzung vorhandener (Po­ren-) Erdgaslagerstätten als natürliche geologische „Reaktoren“. So finden sowohl der Methanisierungspro­zess als auch die Speicherung auf natürlichem Weg in unterirdischen Porenlagerstätten statt.

Stephan Bauer bei seinem Vortrag zum Projekt „Underground Sun Conversion“
Stephan Bauer bei seinem Vortrag zum Projekt „Underground Sun Conversion“

Einblicke in die „Entwicklung der Speicherforschungs­plattform und Integration in die Infrastruktur am Standort Bad Lauchstädt“ gaben Lars Winkler (VGS) und Marco Henel (DBI) im Projekt H2-Forschungskaverne, in wel­chem die Herstellung, der Transport und die Speicherung von grünem Wasserstoff möglich sein wird. Ein weiteres Pro­jekt unter Mitwirkung der DBI-Gruppe erläuterte anschlie­ßend Steffen Schmitz. Im Projekt WESpe werden Wind­wasserstoff-Energiespeicher wissenschaft­lich erforscht. Dabei ging er vor allem auf die Bohrungs-Modellierung und die eigens dafür entwickelte Bohrungssimulationen ein. Im Bohrungssimulator BOXX werden Thermik, Hydraulik und Mechanik in einem Tool gekoppelt, was eine detail­lierte thermische Darstellung und Simulation des Gebir­ges ermöglicht. Jochen Ludwig (p2x Ingenieurbüro) nahm die Teilnehmer mit auf eine virtuelle Reise ins Welt­all mittels Windkraft via PEM-Elektrolyse und informierte über einen Beitrag zum Forschungsprojekt H2ORIZON, bei dem eine Wasser­stoff-Produktion von 20 bis 40 Tonnen pro Jahr für das DLR angestrebt wird. Klaus Stolzenburg (PLANET) rundete die zweitägige Jubiläumsveranstaltung mit seinem Zwischenfazit zur Kommerzialisierung von Brennstoffzel­lenbussen ab. Er betrachtete dabei die Erwartungen der Kunden, die Perspektiven der Betreiber sowie die zu beachtenden Komponenten z.B. Zuverlässigkeit, Wartung, Lieferbarkeit, Kosten und Nachfrage.

Zusammenfassend ist Wasserstoff aus der Energiebrache nicht mehr wegzudenken und für die Erreichung der Klimaschutzziele unabdingbar. Mit den Worten „Packen wir’s an!“ schlossen die Moderatoren Prof. Hartmut Krause und Gert Müller-Syring die Veranstaltung und forderten alle Teilnehmer auf, gemeinsam an der Erreichung der gesteckten Ziele zu arbeiten und die beste­henden Herausforderungen zeitnah zu überwinden.

Autoren: Tina Schwaneberg, Anneliese Tost, Emily Schemmel, Gert Müller-Syring

Die vollständige Pressemitteilung können Sie hier herunterladen.

Medienkontakt

DBI - Gastechnologisches Institut gGmbH Freiberg
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Telefon:         +49 3731 4195-339
E-Mail:           emily.schemmel[at]dbi-gruppe.de

Inhaltlicher Ansprechpartner

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